Prolog

 

 

 

An diesem einen Mittag im Herbst, als Opa das erste Mal wieder in den Wald ging

 

Wenn jemand auf dem schmutzig weiß lackierten Küchenstuhl sitzt, bilden seine Knie zwei Beulen im bodenlangen Tischtuch. Und wenn dieser jemand dann mit einem scharrenden Geräusch auch noch sehr nahe an den Tisch rückt, um etwa Kartoffeln zu schälen, dann muss ich schnell leise und flink wie die Mäuschen in unerer Speisekammer ein Stückchen nach  hinten ausweichen, unter die Eckbank, damit mich die beulenbildenden Eindringlinge nicht berühren und ich nicht erwischt werde in meinem nach Kernseife und vom Holzwurm zurückgelassenen Staub riechendem Versteck.

Freudige Blubberblasen steigen in meinem Hals auf, doch meine Hände verhindern im allerletzten Moment den Verrat, den sie an mir planten. Ein winzig kleines Geräusch, dem Zischen einer Schlange gleich, hat es dennoch nach draußen geschafft und ich halte die Luft an und warte gespannt und in diesem zeitlosen Moment tickt die alte Küchenuhr lauter als je zuvor.

 

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April

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Noch vier Stunden.

Endlich.

Das Ende meines Lebens.

Ich werde zum selben Zeitpunkt sterben, an dem es geschah.

 

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FEIGLING!

 

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Was bildest du dir ein?

Du hast keine Ahnung von mir und meinem Leben und nennst mich einen Feigling?

Immerhin habe ich den Mumm, mich umzubringen, das ist immerhin besser als gar nichts!

 

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Wie hättest du es denn gerne, schönes Schneewittchen?

Wie möchtest du deinen hundertjährigen Schlaf einleiten?

Wirst du dich in zartes Tüll kleiden? Weiß selbstverständlich? Die Farbe der Unschuld?

Dies wird einen hervorragenden Kontrast zu deinem roten Blut bilden, welches sich wiederum langsam und malerisch auf deiner Todesstatt ausbreiten wird, nachdem du dir die Pulsadern aufgeschnitten hast!

Dann liegst du da, starrst an die Decke und hoffst auf diesen Prinzen mit seinem ebenfalls schneeweißen Gaul, während langsam das Leben aus deinem Handgelenk sickert?

Nur was ist, wenn der Gute Verspätung hat?

Ich nehme an, dass er dich nach hundert Jahren im Sarg nicht mehr küssen will!

 

 

 

Vorschau auf Weilmanns 6. Streich

ALLE MEINE LIEBEN

Wen lade ich nur zu meinem 50. Geburtstag ein? fragt sich die Erzählerin. Am besten all die lieben Verwandten! Also erstellt sie eine Gästeliste...

 

Ein humorvoller Blick auf die Vielfalt menschlicher Charaktere und Lebensphilosophien. Frei nach dem Motto: Sind wir nicht alle ein wenig schizophren?