Er lachte hohl, doch als er mein Gesicht sah, fügte er hinzu: "Ich bitte dich, Süße, den bekommst du doch an jeder Straßenecke!"

Vom Nachbargrundstück wehte der Geruch frisch gemähten Grüns herüber und ich widerstand dem Impuls mich auszuziehen und nackt auf die Wiese zu legen.

"Anton"; flüsterte ich zärtlich, "Antoscha! Bald gehörst du mir!"

Mit Grauen erinnere ich mich an den ersten Bestellvorgang, jedoch was folgte, machte jede Peinlichkeit wett. Warum kannte ich Anton noch nicht? Gab es ein neues Verzeichnis? Nachts, wenn der Schlaf ausblieb, nahm ich mir meinen Katalog vor. Ich schwelgte in Vorfreude, wenn ich mir ankreuzte, welche der Bestellnummern ich demnächst heiser vor Aufregung durchs Telefon flüstern würde.

Ich wollte ihn ganz für mich und ich bestimmte die Spielregeln. Ich würde ihn kommen lassen. Ihn einfach hier und jetzt mitzunehmen, hätte das Vorspiel verdorben und entspräche nicht meinem üblichen Ritual. Es käme einer schnellen, billigen Nummer im Badezimmer meines Gastgebers gleich. Ich gebe zu, früher bediente ich mich solcher Mittel, fast schämte ich mich dafür, doch heute, wo ich etwas älter und reifer geworden bin, wollte ich die Angelegenheit in jedem Akt bis zum Ende auskosten.

Weilmanns 6. Streich: Ab sofort überall erhältlich, wo es Bücher gibt

ALLE MEINE LIEBEN

Wen lade ich nur zu meinem 50. Geburtstag ein? fragt sich die Erzählerin. Am besten all die lieben Verwandten! Also erstellt sie eine Gästeliste...

 

Ein humorvoller Blick auf die Vielfalt menschlicher Charaktere und Lebensphilosophien. Frei nach dem Motto: Sind wir nicht alle ein wenig schizophren?